Neues aus dem Landgestüt Celle 
Landauf, landab sorgt die Erneuerung der Hengstleistungsprüfung für Diskussion und beherbergt allerlei züchterischen Zündstoff. Es wird sicher noch einiges an Überzeugungsarbeit und vielleicht auch der einen oder anderen Veränderung geleistet werden müssen, bis dieses neue System Akzeptanz findet.
Erstmals im Jahr 2011 traten die neuen HLP-Richtlinien in Kraft. Durch eine Änderung des Tierzuchtgesetzes im Jahr 2006 ist ein neues Konzept notwendig geworden.
Durch die zentrale Koordination unter dem Dach der FN soll eine weitergehende Vereinheitlichung erreicht werden mit dem Ziel, objektive, aussagekräftige und vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.
Die wesentlichsten Änderungen noch einmal zusammgefasst:
• Anmeldung mit freier Auswahl der Prüfungsstationen, aber mit festgesetzten
Anmeldeschlüssen (jeweils 4 Wochen vor Beginn der entsprechenden Prüfung);
• Festgelegte Gruppengröße: Mindestens 25 und maximal 40 angemeldete Hengste
pro Prüfungsdurchgang;
• Zentrale Zuteilung der Sachverständigen durch die FN aus einem vom Beirat Zucht
berufenen Sachverständigenpool;
• Trainingsbewertung durch zwei Richter zusammen mit dem Trainingsleiter;
• Informative Ergebnisdarstellung mit Einzelnoten, gewichteten Endnoten und
Zuchtwerten.
Doch letztlich sind alle Darstellungen nur Mittel zum Zweck, die Auswertung liegt in der Verantwortung der Züchter.
Hengste mit einem Zuchtwert Dressur von 132 oder 151 sind beides gute Hengste, hier ist der Züchter aufgefordert, sie persönlich in Augenschein zu nehmen, das Pedigree des Hengstes und der Stute genau zu studieren und dann zu entscheiden - welcher der Hengste passt zu meiner Stute.
Das Landgestüt bietet mit seinen Tagen der offenen Tür den Züchtern immer wieder eine hervorragende Informationmöglichkeit, sich die Hengste in Ruhe zu betrachten. Und auch wenn es im Herbst kalt ist, wo sonst als in der Leistungsprüfung kann man die Hengste unter Fremdreitern und in vielen verschiedenen Aufgabenstellungen beobachten als in den Leistungsprüfungen selbst.
Neuzugänge 2012
Zwei, die in diesem Jahr bei den Prüfungen ganz besonders punkten konnten, stehen den Züchtern über das Landgestüt Celle zur Verfügung: Spörcken v. Sir Donnerhall I (Station Roydorf) und Cassillias v. Contendro I (Station Ankum).
Ein HLP Zuchtwert in der Dressur von 165, dazu die Grundgangarten mit 9, 5, im Galopp sogar mit einer 10 gewertet, noch dazu auf der Mutterseite Edelblut über Lauries Crusador xx und Bewegungsdynamik durch Weltmeyer gefestigt - bei Spörcken bleiben fast keine Wünsche offen.
Der sportliche Dunkelbraune Cassillias v. Contendro I MV Stakkato weist mit seinem ZW Springen 142 und Dressur 133 ganz klar eine Doppelveranlagung auf. In Ankum wird er sein züchterisches Debüt geben.
In Celle steht mit dem Fidertanzsohn Fürst Frederico ein ausgereifter Junghengst in den züchterischen Startlöchern, der über Elastizität in den Gurndgangarten, aber auch über die so wichtige Schub- und Tragkraft aus der Hinterhand verfügt.
Nach dem herben Verlust von Weltmeyer und Wolkenstein II im letzten Jahr ist hier nun mit Wüstenwind v. Wolkenstein II / Matcho AA ein letzter Vertreter der W – Linie in die vordere Reihe gerückt.
Mit Acorado II v. Acord II ( Top 5 % aller deutschen Springpferde) und dem doppelt veranlagten dreimaligen Bundeschampion Lissaro van der Helle v. Lissabon ist es Landstallmeister Dr. Brockmann gelungen, zwei hochinteressante Hengste für die hannoversche Zucht anzupachten. Acorado II steht den Züchtern über die Besamungsstation Lüneburg Süd zur Verfügung, während Lissaro van der Helle eine Box in seiner Heimat im Hadelner Land (Station Oberdorf) beziehen wird.

Ihn wollte man unbedingt wieder persönlich auf der züchterischen Bühne präsent haben - Londontime v. Londonderry. In Verden steht der ganggewaltige Fuchs den Züchtern zur Verfügung und wird von seinem Ausbilder Wolfhard Witte auch auf Turnieren vorgestellt. Erste S- Erfolge hatten beide in 2011 schon verbuchen können und ihre Auftritte auf den Hengstparaden sorgten für Gänsehautfeeling.
Fachkompetent, durch die Beamten seiner Station in Süstedt über alle Jahre hinweg gemanagt, wurde Graf Top v. Graf Grannus im letzten Jahr eine besondere Ehre zuteil, als er bei der Körung 2011 zum Hengst des Jahres proklamiert wurde. Selbst immer noch hochaktuell, richtet sich der züchterische Focus aber auch auf seinen Sohn Grey Top dessen 1. Fohlenjahrgang mit Spannung erwartet wird.
Eine weitere erfolgreich Vater-Sohn Kombination ist im Landgestüt zu finden: zu den besten 1% der Zuchtwertschätzung und einem Zuchtwert Springen von 165, dabei aber durchaus als doppelt veranlagt zu betrachten ist Valentino v. Now Or never (Station Süstedt). Auf zahlreiche S-Erfolge kann er mit seiner ständigen Reiterin Karen Biermann verweisen. Mit dem traumhaft schönen lackschwarzen Viscount, dem teuersten Springhengst der letzten Körung, darf sich nun ein Junghengst züchterisch in Celle erproben, der die Herzen der Zuschauer ob seiner Qualität und seines Charmes im Sturm eroberte.
Für 100 Stuten zugelassen sind zwei interessante Youngster der letzten Körung:
Dubarry v. Don Frederico, (Station Celle) auf der Mutterseite Rubinstein und Wertherblut führend sowie ein sympathischer Brauner, den man mit Blut, Leistung und Eleganz treffend umschreiben kann: Concours Complet v. Canstakko (Lüneburg-Nord).
Mit Gem of India bezieht der bereits 1996 gekörte und sportlich bis in die schwere Klasse hoch erfolgreiche schwarzbraune Hengst seine Beschälerbox auf der Deckstation in Dorum.
Freunden des Edelblutes seien noch zwei Hengste ans Herz gelegt: der Fährhofer Vollblüter Likoto xx, dessen Nachzucht durch Noblesse und Bewegung punktet und der zu einem der bedeutenden Vollblüter in der Warmblutzucht gehört. Einige Züchter der Region waren mit dieser Blutanpaarung im letzten Jahr erfolgreich.
Ein echter Hingucker, der im letzten Jahr ob seines schier endlosen Springvermögens bei den Hengstvorstellungen für Furore sorgte, ist der Anglo-Araber Bonaparte N AA v. Benedict N AA.
Bei ihm verbinden sich Härte, Leistungsbereitschaft und Vermögen des Vollblüters und des Shagyarabers auf das Beste. Auch seine Nachkommen im Hannoverschen Zuchtgebiet werden mit Spannung in diesem Frühling erwartet.
Marianne Schwöbel